Mitarbeitende

Roland, 1984

Nach einem Einblick in die Welt der freien Marktwirtschaft wurde mir klar, dass ich meine Arbeitskraft nur noch antikapitalistischen Interessen zur Verfügung stellen kann. Bei der Solawi einzusteigen war eine gute Entscheidung: Der politische Ansatz ist zukunftsweisend. Die landwirtschaftliche Arbeit macht mir Spaß und fällt mir leicht. Ich genieße es jeden Tag draußen zu sein und mich im Rhythmus des Jahres zu bewegen.

Wenn ich mich für ein Lieblingsinsekt auf unseren Feldern entscheiden müsste, wäre es der Schwalbenschwanz – sowohl als Raupe wie auch als Schmetterling ein ansehnliches Insekt.

 

Charlotte, 1993 in Köln geboren.

Im Januar 2020 habe ich meine Lehre als Gemüsegärtnerin bei Tönneßens in Roisdorf abgeschlossen.

Vorher wusste ich lange Zeit nicht wohin, bis mich mein Kindheitstraum vom Bauernhof endlich wieder auf den Boden geholt und sich in Form des Gärtnerns verwirklicht hat. Als Städterin mit Abitur auf den Acker zu gelangen braucht leider seine Zeit, da sagt einem niemand „werd doch Bäuerin“.

Als Zukunft für die Landwirtschaft wünsche ich mir, dass es für junge Leute eine tatsächliche, attraktive Perspektive wird, tatkräftig in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft für eine grüne, solidarische und faire Zukunft zu sorgen, die sich aufs Wesentliche fokussiert, fern vom Konsumwahnsinn.

Das Bild des dummen Bauern verwischend, versteht sich.

Genau diese Vorstellungen einer besseren Welt, aber auch das Aufstehen von Menschen, die sich für diesen gemeinsamen Traum zusammenschließen, ihre Macht effektiv nutzen, führt mich zur SoLawi.

Ein Lieblingsinsekt habe ich nicht wirklich. Ich mag keine Schnarken!

 

Joe, 1977 in England geboren.

Ich studierte Umweltwissenschaften und Geographie und promovierte dann in Entwicklungsstudien mit Forschung in Indien.

Später brachte mich eine Postdoc-Forschung nach Bonn. Der Großteil meiner Forschung konzentrierte sich auf Landwirte in Asien.

Schließlich hatte ich es satt, hinter einem Computer zu sitzen, und kam 2018 als Landarbeiter zu Solawi Bonn.

Ich wünsche mir für die Zukunft eine Landwirtschaft, die lokal, organisch und regenerativ ist, die die Menschen wieder mit dem Essen, das sie essen, und mit der Natur verbindet.

Ich habe kein Lieblingsinsekt, aber ich mag Marienkäfer sehr gerne.

 

Diethelm, 1968

– Was bringt Dich zur Landwirtschaft?

Die Beschäftigung mit Wildbienen und ihrer Vielfalt führte mich schnell zur Erkenntnis, dass eine reich strukturierte Landschaft mit ihren vielfältigen Biotopen die wichtigste Voraussetzung für das Vorkommen einer Vielzahl von Arten ist. Die ehemals reich strukturierte Kulturlandschaft der vorindustriellen Landwirtschaft war dafür auch ein wesentlicher Faktor.

Daher mache ich mir seitdem Gedanken, wie eine Landwirtschaft aussieht, die unsere biologische Vielfalt erhalten kann. Um das nicht nur theoretisch zu tun, habe ich mich auch praktisch auf dem Acker eingebracht. Vertieft habe ich diese praktischen Erfahrungen durch Bücher und Seminare wie z.B. das Symposium ‚Aufbauende Landwirtschaft‘. Seit 2018 bin ich Teil der ersten Ausbildungsgruppe der Selbstorganisierten Solawi-Gärtner*innen-Ausbildung. Hier haben wir uns mit Hilfe von Profis und ihrem Erfahrungswissen professionalisiert.

– Was bringt Dich zur Solawi Bonn/Rhein-Sieg?

Seit ich bei dem 3-monatigen Webinar ‚Agrogentechnik für Fortgeschrittene‘ das Konzept einer Solidarischen Landwirtschaft kennen gelernt habe, habe ich die Idee verbreitet.

Nachdem 2 Jahre später die Solawi Bonn startete, war ich natürlich mit dabei.

– Was wünschst Du Dir für die Zukunft der Landwirtschaft?

Flächendeckend pestizidfreie Landwirtschaft mit reich strukturierten Feldern, die nicht allein auf Maschinenfreundlichkeit ausgerichtet sind, sondern Säume, Hecken, Ruderalstellen, Lehmpfützen, … zulassen. Felder, auf denen Wechselkröte und Feldhamster, Schwalben und Mauersegler, Wildbienen und Grabwespen, Schmetterlinge und Schlupfwespen existieren können.

Außerdem eine Landwirtschaft, die ihr regionales Umfeld versorgt und die auch den Erzeugern ein auskömmliches Leben ermöglicht.

– Was ist Dein Lieblingsinsekt?

Ich habe ganz viele Lieblingsinsekten. Exemplarisch vielleicht den Schwalbenschwanz (Papillio machaon). Weil er kein alltäglicher Schmetterling ist, auf vielfältigen Gemüseäckern aber vorkommen kann. Auch seine Raupe ist sehr eindrucksvoll.

 

Anna Zimmer, 1980

– Was bringt Dich zur Landwirtschaft?

Ich habe Geographie, Organischer Landbau und Bodenkunde hier in Bonn studiert. Nachdem ich etliche Jahre zu Politischer Ökologie in Indien geforscht habe, habe ich 2016 begonnen, in Delhi auf einem Biohof zu arbeiten. Es ist für mich einfach viel befriedigender, an einem spannenden Lösungsmodell mitzuarbeiten, als Probleme immer wieder zu analysieren und zu beschreiben… und der Natur so nahe zu sein jeden Tag draußen.

– Was bringt Dich zur Solawi Bonn/Rhein-Sieg?

Ich bin Anfang 2020 mit meiner Familie nach Bonn zurückgekehrt und das Solawi Konzept begeistert mich wirklich. Ich denke, es ist an der Zeit, nicht nur die Art der Landwirtschaft zu verändern, sondern auch die Art unseres Wirtschaftens und unseres Miteinander. Zu erleben, wie man sich Verantwortungen, Aufgaben, und dann eben die Ernte teilt, ist wunderbar. Dass Menschen diejenigen kennen, die ihr Gemüse anbauen, den Ort, an dem es wächst, und auch zum Teil selber mithelfen, ist toll  – es schmeckt besser, und das Verständnis zwischen Bauern und (meist) städtischen Gemüsegenießern ist wirklich wichtig.

– Was wünschst Du Dir für die Zukunft der Landwirtschaft?

100% Bioanbau, Humusaufbau, Biodiversität, kleinteiligere Familienbetriebe auf den wunderbaren Böden, die oft um Städte herum liegen (vor allem hier), und Resilienz in Angesicht des Klimawandels.

– Was ist Dein Lieblingsinsekt?

Im Moment die Regenwürmer 🙂 Sie nehmen uns einfach so viel Arbeit ab!